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Martin Haas

ARCHITEKTENGESPRÄCH

> Martin Haas, haascockzemmrich STUDIO 2050

//  Für haascookzemmrich STUDIO 2050 ist Nachhaltigkeit mehr als ein technisches Konzept: Sie prägt die Entwurfslogik, die Materialwahl und die Nutzung der Gebäude. Bei den beiden Projekten für Rapunzel und Alnatura verschmelzen Innen- und Außenräume, Büro- und Besucherbereiche sowie öffentliche und private Funktionen zu einem durchgängig wahrnehmbaren Raumerlebnis. Durch die sensible Einbindung in die Landschaft und den gezielten Einsatz natürlicher Materialien entsteht Architektur, die nicht nur ressourcenschonend, sondern auch sinnlich erfahrbar ist.

Nachhaltig mit allen Sinnen

Im Gespräch mit Martin Haas von haascookzemmrich STUDIO 2050 aus Stuttgart

Mit dem Besucherzentrum für Rapunzel in Legau und dem Alnatura Campus in Darmstadt hat das Stuttgarter Büro haascookzemmrich STUDIO 2050 zwei vielbeachtete Neubauten für überregional bekannte Naturkostunternehmen realisiert. Im Gespräch erläutert Büropartner Martin Haas, welche konzeptionellen und baulichen Herausforderungen damit verbunden waren, wie lokale Handwerksbetriebe früh eingebunden wurden – und wie Architektur hier zu einem ganzheitlichen Erlebnis für Mitarbeitende und Besucher wird.

Weitere Artikel:

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Unser Team für Architekten und Planer

ARCHITEKTENGESPRÄCH

Marc Ritz, Architekt und Gründungspartner CURA Architekten

// Mit der Erweiterung des Schulzentrums im schweizerischen Davos haben CURA Architekten aus München einen zeitgemäßen Schulbau geschaffen, der die Ursprungsstruktur der 1960er-Jahre behutsam weiterentwickelt. Der Entwurf denkt Nachhaltigkeit nicht als Addition von ehrgeizigen Kennziffern, sondern als ganzheitliche Grundhaltung – vom Erhalt grauer Energie über eine flexible Holzskelettstruktur bis hin zu Low-Tech-Lüftungslösungen. Entstanden ist ein inspirierendes Umfeld mit vielfältigen Lern- und Aufenthaltsorten, das pädagogische Offenheit und ökologische Verantwortung ganzheitlich miteinander verbindet.

ARCHITEKTENGESPRÄCH

Unseren Bestand neu denken

// Das Münchener Büro OLIV Architekten hat sich seit über zwanzig Jahren auf die Revitalisierung von Bestandsbauten spezialisiert. Ganz gezielt soll so der Lebenszyklus von Bestandsgebäuden signifikant verlängert und ein wertvoller Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden. Wir haben mit Büropartner Igor Brncic gesprochen, um mehr über die Arbeitsweise der Architekten und Architektinnen zu erfahren.

ARCHITEKTENGESPRÄCH

Nachhaltig geplant, sozial gedacht

// Das Alte Rathaus Berlin-Marzahn, ein Verwaltungsbau der DDR-Moderne, wird derzeit umfassend saniert. KEBE + SCHOBERTH ARCHITEKTEN verantworten nahezu alle Leistungsphasen – von der Analyse bis zur Umsetzung – und zeigen, wie sich hohe energetische Standards mit den Anforderungen des Denkmalschutzes vereinen lassen. Wir haben mit Architektin Felicitas Schoberth gesprochen, um mehr über das Projekt zu erfahren.

SEHENSWERT

Von der Kaugummifabrik zum Bürogebäude

// In Amsterdam hat das vor Ort ansässige Büro NEXT architects die Lagerhalle einer ehemaligen Kaugummifabrik umfangreich erweitert und zum transparenten Bürogebäude umgenutzt. Das Ergebnis ist eine kontrastreich inszenierte Materialcollage aus Stahl, Glas und Holz, die sich hervorragend in ihr Umfeld einfügt. Zur Abdichtung der Dachflächen kam die EPDM-Bahn RESITRIX® SK W Full Bond von CARLISLE® zum Einsatz, direkt darüber sorgen Retentionselemente und Photovoltaikmodule für eine optimierte Nachhaltigkeit.

INSIGHT

Unser Team für Architekten und Planer

// Erstklassige Produkte alleine reichen heute nicht mehr aus, um Kunden zu begeistern. Christoph Nowack, Leiter des CARLISLE® Projektvertriebs für die DACH-Region, spricht darüber, wie er mit seinem Team einen gewinnbringenden Mehrwert für Architekten und Planer schaffen kann.


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© Frederik Laux
© Markus Guhl
© Markus Guhl

Prägendes Element nach außen ist das große schwebende Dach in Verbindung mit der luftigen Dachterrasse.

© Markus Guhl
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Das aufsteigende Dach und die große Treppe transportieren ganz subtil den märchenhaften Charakter der Architektur.

BLACKPRINT: Welche Rolle spielt die Gebäudetechnik?

BLACKPRINT: Auffällig ist auch die besondere Dacheindeckung.

Die große Vollholz-Spiraltreppe wurde vollständig ohne Stahl realisiert.

© Brigida Gonzalez
© Brigida Gonzalez
© Brigida Gonzalez

Die Alnatura-Firmenzentrale in Darmstadt präsentiert sich als breite “Scheune” mit Satteldach und mit zentralem Atrium.

© Brigida Gonzalez
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Der Alnatura Campus ist europaweit das größte Bürogebäude mit Stampflehmfassade und integrierter geothermischer Wandheizung.

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BLACKPRINT: Herr Haas, mit dem Besucherzentrum für Rapunzel in Legau haben Sie einen Ort geschaffen, der Architektur, Marke, Besucherführung und Nachhaltigkeit organisch verbindet. Welche Idee steckt hinter der Architektur und wie spiegelt sie die Philosophie von Rapunzel wider?

Martin Haas: Das Unternehmen weckt bei seinen Kunden großes Interesse. Viele Menschen möchten vor Ort erleben, wie nachhaltiger, ökologischer Landbau funktioniert. In enger Abstimmung mit dem Bauherrn wollten wir deshalb ein Haus voller Entdeckungen schaffen. Von außen empfängt das große, schwebende Dach die Besucher wie ein Band, das alles überspannt. Im Inneren erwartet sie ein vielfältiger Nutzungsmix mit Bio-Markt, Bäckerei, Café, Kaffeerösterei, Ausstellung, Weinkeller, begrünter Dachterrasse sowie Schulungs- und Yogaräumen. Verbunden werden sämtliche Funktionen über eine 15 Meter hohe Wendeltreppe aus Holz – unser „Rapunzelzopf“, der alle Geschosse bis zur Dachterrasse verbindet und den Rundumblick über die Landschaft öffnet.

BLACKPRINT: Sie sprechen in Bezug auf den Bau von vier Kernpunkten: Regionalität, Märchenhaftigkeit, Landschaft und dauerhafte Nutzung. Können Sie erläutern, was sich dahinter verbirgt?

Martin Haas: Beim ersten Punkt ging es vor allem um Transport und die Einbindung lokaler Handwerksbetriebe. Aus Erfahrung mit früheren Projekten wussten wir, dass beim nachhaltigen Bauen der Transport ein entscheidender Faktor wird. Deshalb wollten wir überwiegend Firmen und Handwerker für Holzbau, Fassade und Möbelbau aus einem Umkreis von 20 Kilometern einbinden und in die Detailerarbeitung einbeziehen. Das war ein spannender Prozess, der an frühere, stärker handwerklich geprägte Arbeitsweisen erinnert. Diese Herangehensweise versuchen wir inzwischen bei allen Projekten zu übertragen: Unabhängig von der Regionalität wollen wir handwerkliches Wissen frühzeitig in die Architekturentwicklung einbeziehen. Das hat sich sehr bewährt.

BLACKPRINT: Wichtig bei dem Besucherzentrum in Legau sind außerdem die Themen Märchenhaftigkeit und Landschaft. Wie zeigt sich das im Gebäude?

Martin Haas: Das Märchenhafte wollten wir ganz subtil durch Fensterformen, durch das aufschwingende Dach sowie durch die zentrale Wendeltreppe transportieren. Ausgehend von den Assoziationen zum Firmennamen „Rapunzel“ ist eine poetische, fast märchenhafte Wirkung entstanden, die sich durch das ganze Haus zieht. Ebenso wichtig war uns die Einbindung in den Landschaftskontext. Die Gebäudefigur entwickelte sich als Dreiklang aus drei Flügeln. Das Dach schwebt über dem Erdreich, spendet Verschattung und greift archetypische architektonische Bilder auf. Besonders wichtig war uns, das Dach öffentlich zugänglich zu machen: mit Dachbegrünung, blühendem Dachgarten und weitem Blick über die Umgebung. Diese Fläche ist Teil des didaktischen Rundgangs und unterstützt die Besucherführung.

BLACKPRINT: Als vierten Punkt hatten Sie die dauerhafte Nutzung angesprochen...

Martin Haas: Ja, unser Ziel war es, ein Haus zu schaffen, das nicht nur zwischen 9 und 17 Uhr genutzt wird. Gebäude, die nur tagsüber aktiv sind, stehen einen Großteil der Zeit leer. Deshalb haben wir die Nutzungsdauer bewusst erweitert: durch die Bäckerei mit frühem Produktionsbeginn, ein ganztägig geöffnetes Café und den Markt für Rapunzel-Produkte. Hinzu kommen Bildungsangebote wie Seminare, Workshops und Schulungen zum ökologischen Landbau sowie ein Club und ein Weinkeller. So ist eine Art „Rundumversorgung“ entstanden – ein öffentliches Haus, das Funktionen vereint, die früher auf einem Dorfplatz zu finden waren: Gastronomie, Treffpunkt, Bildung und Freizeit. Diese Überlagerung von Nutzungen bildet das konzeptionelle Rückgrat des Projekts.

Martin Haas: Das technische Nachhaltigkeitskonzept war fast ein Abfallprodukt, weil das Unternehmen ohnehin schon viel Ökostrom und Abwärme erzeugt. Wir konnten uns daran andocken und das Gebäude klimaneutral betreiben.

Martin Haas: Im Allgäu sind Holzschindeln regionaltypisch – das wollten wir gestalterisch aufgreifen. Klassische Holzschindeln wären bei dieser Dachgröße jedoch im Unterhalt zu aufwendig gewesen. Eine Alternative aus kanadischer Zeder hätte zwar funktioniert, war aus ökologischer Sicht aber aufgrund der begrenzten Lebensdauer ebenfalls problematisch. Deshalb haben wir nach einer langlebigen, handwerklich geprägten Lösung gesucht. Zunächst fanden wir einen Hersteller in Dänemark, doch der Transport wäre zu aufwendig gewesen. Stattdessen sind wir schließlich in der Schweiz fündig geworden. In Rapperswil bei Bern gab es noch einen Ofen aus 1790, in dem Ziegel gebrannt wurden. Gemeinsam mit dem Hersteller haben wir dort spezielle Ziegelschindeln mit individuellen Engoben entwickelt. Fast wäre das Projekt gescheitert, weil die Betriebsgenehmigung für den Ofen auslief. In einer kurzfristigen Aktion konnten die Schindeln aber dann noch in einem moderneren Ofen fertiggestellt werden, als eines der letzten Produkte dieser traditionellen Fertigungslinie.

BLACKPRINT: Eine große Herausforderung war sicher auch die Vollholz-Spiraltreppe im Inneren, oder?

Martin Haas: Das stimmt. Die Treppe wurde vollständig ohne Stahl realisiert, was nur wenige Betriebe umsetzen wollten. Rückblickend würde ich diesen Ansatz heute differenzierter bewerten – er war in Teilen zu stark ideologisch geprägt. Ein ausgewogener Materialmix ist oft sinnvoller: Jedes Material sollte dort eingesetzt werden, wo es seine Stärken ausspielen kann. In diesem Fall hat die Größe und Komplexität der Treppe den Holzbau an seine Grenzen geführt.

BLACKPRINT: Entsprechend ist der Bau auch ganz klassisch als Stahlbetonbau umgesetzt...

Martin Haas: Ja, genau. Aber auch hier gab es Besonderheiten. Wir haben nämlich einen örtlichen Hersteller auftreiben können, der mit Recyclingbeton arbeitet und der das Projekt als Pionierleistung umsetzen wollte.

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© Markus Guhl

BLACKPRINT: Eng verbunden mit dem Rapunzel-Bau in Legau ist der Neubau der Alnatura-Zentrale, den Sie einige Jahre vorher in Darmstadt fertiggestellt haben...

Martin Haas: Ja, in der Tat. Alnatura und Rapunzel sind unternehmerisch eng miteinander verbunden, entsprechend diente der Neubau in Darmstadt auch als Referenz für das Besucherzentrum in Legau. Hintergrund für das Projekt war, dass Alnatura seine bislang verteilten Verwaltungsstandorte bündeln und dabei ein konsequent nachhaltiges Gebäude realisieren wollte, klimaneutral, aus nachwachsenden Rohstoffen und architektonisch reduziert. Im Vorfeld haben wir zunächst rund 15 Standorte untersucht, bevor wir auf eine Konversionsfläche in unmittelbarer Nähe zum Westwald gestoßen sind. Das dortige Mikroklima bot ideale Voraussetzungen für natürliche Belüftung und Kühlung.

BLACKPRINT: Wie hat sich daraus der weitere Entwurfsgedanke entwickelt?

Martin Haas: Wir haben das Gebäude in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet, um solare Gewinne zu minimieren und die natürliche Belüftung zu optimieren. Ziel war ein träges Haus, das thermische Speichermasse nutzt, vergleichbar mit massiven Gründerzeitbauten, die sich im Winter kaum lüften lassen, aber trotzdem angenehm temperiert bleiben. Früh ergab sich als Gebäudeform eine breite Scheune mit Satteldach, zentralem Atrium und Sheddach, ein klarer, einfacher Entwurf, ökologisch, funktional und harmonisch. Im Innenraum gibt es keine starren Abteilungen. Stattdessen entstanden flexible Arbeitsbereiche, offene Teeküchen und durch akustische Vorhänge abtrennbare Besprechungsbereiche, die interdisziplinäres Arbeiten und spontane Begegnungen ermöglichen. Das Tageslicht durchflutet alle Ebenen und verstärkt den offenen, kommunikativen Charakter des Gebäudes.

BLACKPRINT: Der Alnatura Campus ist europaweit das größte Bürogebäude mit Stampflehmfassade. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Materialwahl?

Martin Haas: Lehm hat viele natürliche Eigenschaften: thermische Masse, Luftreinigung, kristalline Struktur. Ideal also für ein nachhaltiges Bürogebäude. Die fertige Lösung haben wir dann zusammen mit dem Spezialisten Martin Rauch entwickelt. Das Besondere: Wir haben alles im Gebäude auf das Nötigste reduziert, es gibt keine abgehängten Decken, keine Doppelböden. Stattdessen konnten wir die Wände für die Heizung nutzen und haben dazu Wasserleitungen integriert, die über Geothermie und Solardach beheizt werden. Im Ergebnis ist ein innovatives, ökologisch geschlossenes System entstanden.

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BLACKPRINT: Wie fällt das Feedback der Nutzer bei den beiden Gebäuden in Legau und Darmstadt aus?

Martin Haas: Sehr positiv, auch langfristig. Anfangs mussten sich die Mitarbeitenden natürlich erst mal an die natürliche Lüftung und das „lebende“ Gebäude gewöhnen. Inzwischen berichten sie von einer außergewöhnlichen Aufenthaltsqualität, vom Licht, vom Raumgefühl. Das Gebäude wird als identitätsstiftender Ort wahrgenommen. Ähnlich war die Resonanz bei Rapunzel. Beide Projekte funktionieren nicht nur architektonisch, sondern auch organisatorisch.

BLACKPRINT: Aktuell entwickeln Sie den Leibniz-Innovationshof in Groß Kreutz...

Martin Haas: Ja, der Fokus liegt dort auf landwirtschaftlicher Produktion, Regionalität und Kreislaufwirtschaft. Geplant sind ein Verwaltungstrakt mit Fasertechnikum sowie eine Forschungshalle. Das Ensemble orientiert sich an regionaltypischen Hofstrukturen – robuste, einfache Baukörper, abgeleitet aus dem Ort. Für ein Maximum an Nachhaltigkeit setzen wir dabei konsequent auf Recyclingmaterialien, nachwachsende Rohstoffe und zirkuläres Bauen. Ziel ist, Bau und Betrieb möglichst klimaneutral und effizient zu gestalten, von der Tragstruktur aus Holz über die Materialwahl bis hin zu den Abläufen im Gebäude.

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© haascookzemmrich STUDIO 2050

Beim Leibniz-Innovationshof in Groß Kreutz setzen die Architekten konsequent auf Recyclingmaterialien, nachwachsende Rohstoffe und zirkuläres Bauen.

BLACKPRINT: Ein anderes aktuelles Projekt in Planung ist die energetische Sanierung des Gebäudes in der Königstraße 1 a in Stuttgart...

Martin Haas: Das Gebäude liegt gegenüber dem Hauptbahnhof und soll den Auftakt der Königstraße markieren. Wir erhalten den Bestand weitgehend und ergänzen ihn um eine Holzhybrid-Konstruktion. Die Fassade wird rückgebaut und mit wenigen Ergänzungen wieder eingesetzt, die Fenster zu Kastenfenstern erweitert. Ziel ist maximaler Bestandserhalt, Tageslichtoptimierung und CO₂-Speicherung durch Holz. Die größte Herausforderung ist, Bestand, moderne Anforderungen und die juristischen Vorgaben eines öffentlichen Bauherrn in Einklang zu bringen. Das Projekt wird beispielhaft zeigen, wie nachhaltige Nachnutzung innerstädtischer Gebäude in der Praxis funktionieren kann.

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© haascookzemmrich STUDIO 2050

In der Königstraße in Stuttgart ergänzen die Architekten einen Bestandsbau durch eine Holzhybrid-Konstruktion.

BLACKPRINT: Mit einem Bestandsprojekt ganz anderer Art haben Sie es aktuell beim Rathaus in Schömberg zu tun. Welche Herausforderungen stellen sich dort?

Martin Haas: Das Rathaus stammt aus dem Jahr 1790, befindet sich allerdings in einem sehr kritischen Zustand und weist zahlreiche strukturelle Risse auf. Als Bestandsbau ist es entsprechend nicht mehr tragfähig. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, Teile des Hauses rückzubauen, originale Bauelemente so weit wie möglich zu erhalten und das Gebäude in seiner historischen Form neu aufzubauen. Die Umsetzung erfolgt im Holzbau, wobei viele der alten Hölzer zuvor mit problematischen Holzschutzmitteln behandelt waren und deshalb gereinigt und konservatorisch aufbereitet werden müssen – ein sehr aufwendiger Prozess, der Präzision und Erfahrung erfordert. Das Projekt zeigt, wie komplex nachhaltige Nachnutzung historischer Gebäude sein kann. Im Vergleich zur Königstraße in Stuttgart ist der Aufwand hier deutlich größer.

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© haascookzemmrich STUDIO 2050

In Schömberg bauen die Architekten das Rathaus aus dem Jahr 1790 in seiner historischen Form neu auf und verwenden dabei originale Bauelemente aus dem Altbau.

BLACKPRINT: Vielleicht werfen Sie noch einmal einen Blick nach vorne: Wie sehen Sie die Perspektiven für nachhaltige Architektur, sowohl allgemein als auch für Ihr Büro?

Martin Haas: Für mich ist Nachhaltigkeit der einzige echte Motor für Innovation in der Architektur. Sie treibt den Wandel der Bauindustrie spürbar voran. Als Gründer und Vizepräsident der DGNB habe ich Einblick in Politik und Wirtschaft und erlebe dort, dass Nachhaltigkeit zunehmend umgesetzt wird. Nicht immer aus innerer Überzeugung, aber immer häufiger, weil sie sich im Kontext der EU-CO₂-Taxonomie auch ökonomisch rechnet. Für uns ist das ein klares Signal: Nachhaltiges Bauen entwickelt sich vom Sonderfall zur neuen Norm.

BLACKPRINT: Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Robert Uhde.

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