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© EVA architecten / Vivid Vision

Organisch abgerundet und durchgehend kreislauffähig

// Der architektonische Anspruch von Neubauten in Gewerbegebieten ist in der Regel überschaubar. Umso bemerkenswerter, wenn Projekte diesbezüglich aus der Reihe fallen. So wie das neu erschlossene Gewerbegebiet „Ambachtsezoom“ in der niederländischen Kleinstadt Hendrik-Ido-Ambacht, gelegen rund zehn Kilometer nordwestlich von Dordrecht. Der von der Gemeinde entwickelte, rund 15 Hektar große Standort ist der erste und bislang einzige vollständig energieneutrale und kreislauffähige Gewerbepark in den Niederlanden. Die vor Ort fertiggestellten Gebäude verbrauchen also maximal so viel Strom wie sie selbst produzieren. Gleichzeitig sind sämtliche eingesetzten Materialien komplett demontierbar.

© EVA architecten
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Hohe Nachhaltigkeit

Am äußersten nördlichen Rand des Gewerbeparks und in direkter Nähe zu einem kleinen Grüngürtel sowie der Autobahn A16 von Antwerpen nach Rotterdam trifft der Blick auf einen hochwertig gestalteten Neubau aus Holz, den das Utrechter Architekturbüro EVA für das Unternehmen PCS Gebäudeautomation geplant hat. Charakteristisch für den leicht über Bodenniveau aufgeständerten Entwurf ist die organisch abgerundete Grundrissform in Verbindung mit der elegant geschwungenen, im Obergeschoss teilweise zurückspringenden Glasfassade. Zusätzliche Dynamik erhält der Entwurf durch die umlaufend vorkragenden, mit bronzefarben lackierten Aluminium-Elementen verkleideten Geschossbänder, die je nach Ausrichtung in der Tiefe variieren und damit auch als Sonnenschutz fungieren.

© Sebastian van Damme

Funktionale Ästhetik – Geschossbänder als Sonnenschutz

Hinter der luftigen Hülle stehen auf zwei Ebenen flexibel einteilbare Büroflächen zur Verfügung. In der oberen Ebene ist die PCS Gebäudeautomation mit insgesamt 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern tätig, die untere Ebene soll noch vermietet werden. Die durchgehende Verwendung von Holz in Verbindung mit der geschosstiefen Verglasung sorgt für ein helles und lichtdurchflutetes Ambiente in sämtlichen Bereichen. Komplettiert wird das Raumangebot durch eine Tiefgarage mit 26 Stellplätzen sowie durch einen attraktiv begrünten Dachgarten oberhalb des ersten Geschosses. Das Hauptdach wird zusätzlich als Standort für eine Photovoltaikanlage mit 216 Sonnenkollektoren à 1,95 m² und einer Gesamtleistung von circa 90 kWp genutzt.

Stützen- und Balkenkonstruktion aus Holz

Um einen minimierten CO2-Fußabdruck zu erreichen, setzt sich die Hauptstruktur des Holzhybridbaus aus einer Stützen- und Balkenkonstruktion aus Holz sowie aus Wänden und Böden aus CLT zusammen, die Stabilität wird durch einen Betonkern erreicht. Um diesen Kern herum entsteht ein frei aufteilbarer Grundriss mit einer Gesamtfläche von 1.600 Quadratmetern, in dessen Mitte ein verschließbares Podium mit Tribünentreppe für Beratungsgespräche und Präsentationen angeordnet ist. „Weiter optimiert wird die Nachhaltigkeitsbilanz durch die Integration einer energiesparenden Gebäudetechnik, die im Ergebnis dafür sorgt, dass der Bau energiepositiv betrieben wird, also mehr Energie produziert wird als letztlich verbraucht wird“, wie Projektarchitekt Maarten Terberg erklärt. „Hinzu kommt, dass das Gebäude mit Ausnahme des Parkhauses komplett demontierbar ist. Das betrifft die Haupttragstruktur ebenso wie die Glasfassade und die gesamte Haustechnik.“ Außerdem wurde auf Materialien wie PVC, Kleber, Dichtungsmittel oder Polyurethanschaum verzichtet und es wurden keine Verbundprodukte verwendet. Zur Umsetzung des Anspruchs sind sämtliche verwendeten Werkstoffe in einem Werkstoffpass erfasst.

© Sebastian van Damme
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© Sebastian van Damme
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Der nachwachsende Rohstoff Holz ist hervorragend zum zirkulären Bauen geeignet und sorgt zudem für eine hohe Aufenthaltsqualität und eine gute Raumatmosphäre.

Kreislauffähige Dachabdichtung

Auch die Planung und Umsetzung des Dachaufbaus brachte hohe Anforderungen im Hinblick auf Zirkularität mit sich: „Ganz wichtig war dabei, dass die verwendete Dachabdichtung lose verlegt oder mechanisch befestigt sein musste und keine giftigen Bestandteile enthalten durfte“, erklärt Maarten Terberg. „Hinzu kam, dass die Abdichtung der Hauptdaches unter den PV-Modulen weiß oder hellgrau sein sollte, um so eine maximale Effektivität der eingesetzten Photovoltaikmodule sicherzustellen.“ Ausgehend von diesen strengen Vorgaben kamen Dachabdichtungsprodukte des Herstellers CARLISLE® zum Einsatz: weiße SURE-WELD® TPO/FPO-Bahnen auf dem mit Photovoltaikmodulen belegten Hauptdach, HERTALAN® EPDM-Planen auf den begrünten Dachbereichen - jeweils in Kombination mit mechanischer Befestigung per Induktionsverschweißung. Beide Abdichtungssysteme sind komplett schadstofffrei und lassen sich im Sinne einer Kreislaufwirtschaft problemlos abtragen und an anderer Stelle wiederverwenden. Hierfür wurde HERTALAN® unter anderem das Cradle-to-CradleTM Zertifikat verliehen.


Im Rahmen der Umsetzung durch das beauftragte Unternehmen Nieuwenhuizen Daktechniek wurde oberhalb der Deckenkonstruktion aus Holz auf sämtlichen Dachflächen zunächst eine 160 mm dicke Dämmung verlegt. Das Gefälle von 16 mm sorgt dabei für einen sicheren Abfluss von Regenwasser. Direkt darüber wurden auf dem 800 Quadratmeter großen Hauptdach weiße SURE-WELD® TPO/FPO-Bahnen verlegt und mechanisch mit Schrauben befestigt. Die einlagige Kunststoff-Abdichtungsbahn ist außergewöhnlich witterungs- und alterungsbeständig, die Wahl von weißen Bahnen sorgt zusätzlich für eine willkommene Reflexionskühlung und ermöglicht damit eine erhöhte Leistungsfähigkeit der abschließend auf der Dachfläche montierten Solarmodule.

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Die auf dem Hauptdach aufgeständerte PV-Anlage sowie die begrünten umlaufenden Dachflächen vervollständigen das zirkuläre Konzept dieses Gebäudes.

Attraktive Dachbegrünung

Für das Gründach oberhalb des ersten Obergeschosses sowie für den jeweils 50 Zentimeter breiten Grünstreifen rund um das Erdgeschoss und den ersten Stock kamen oberhalb der Gefälledämmung HERTALAN® EPDM-Planen zum Einsatz, die per Induktionsschweißung mechanisch auf der Dachfläche befestigt wurden. Die Befestiger bestehen aus einer Schraube, einer Tülle und einem speziell beschichteten Halteteller, der im Induktionsverfahren dauerhaft sicher mit der Dachabdichtung verbunden wird.

Abschließend konnte dann das Substrat für die Sedum- und Kräutermischungen aufgebracht werden. Die Begrünung sorgt nicht nur für eine zusätzlich verbesserte Dämmung des Gebäudes, sie schafft auch eine willkommene biologische Ausgleichsfläche, die Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten anlockt. Hinzu kommt, dass die Angestellten von ihren Arbeitsplätzen aus den Blick ins Grüne genießen können.

Robert Uhde


Objekt: Bürogebäude „Omega“

Standort: Hendrik-Ido-Ambacht (NL)

Bauherr: PCS Automation, Hendrik-Ido-Ambacht (NL)

Planung: EVA architecten, Utrecht

Bauunternehmen: Van Baaren Aannemers, Schoonhoven (NL)

Dacharbeiten: Nieuwenhuizen Daktechniek B.V., Hendrik-Ido-Ambacht (NL)

Bruttogeschossfläche: 1600 m²

Fertigstellung: 2023

>> Maarten Terberg, Büropartner von EVA architecten, hat uns in einem Architektengespräch weiterführende Einblicke zu diesem spannenden Projekt gegeben:

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