BLACKPRINT: Ein voller Erfolg also. Umso unverständlicher ja eigentlich, dass sich das Prinzip der seriellen Sanierung noch nicht viel stärker durchgesetzt hat....
Kay Künzel: Gut, Widerstände gibt es ja immer. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass das Bewusstsein für elementierte Bauprozesse in der Industrie und auch bei den Fachunternehmen wächst. Gerade jetzt, wo der Neubaumarkt zusammengebrochen ist. Und natürlich müssen sich Prozesse erst mal anpassen und einspielen auf Seiten aller Beteiligten. Das alles braucht seine Zeit. Das Konzept Enegiesprong bietet an dieser Stelle ein offenes Prinzip, bei dem sich jeder überlegen kann, was sein Beitrag in einem seriellen Prozess sein kann. Und es ist nicht wirklich so, dass wir in Deutschland keine Erfahrung mit modular-seriellem Bauen hätten. Schauen Sie sich beispielsweise das wiederkehrende Modell der Plattenbauten oder die Fertighausindustrie an, die das Einfamilienhaus aus dem Katalog anbietet. Das alles sind optimierte Bauprozesse für einen ganz bestimmten Bedarf.
BLACKPRINT: Haben Sie denn den Eindruck, dass sich die serielle Sanierung nach dem Energiesprong-Prinzip weiter durchsetzen wird?
Kay Künzel: Ich bin jetzt mal nicht uneigennützig und sage ganz vorsichtig, das liegt immer an den beteiligten Akteuren! Und letztlich haben wir hierzulande doch genügend Häuser für 80 Millionen Menschen. Jetzt müssen wir eben sehen, dass dieser Bestand erhalten bleibt und besser wird. Auf der anderen Seite werden aktuell bis zu 10.000 Euro je Quadratmeter bei Neubauten aufgerufen. Und das auch deshalb, weil niemand von seiner kurzfristig orientierten Renditeerwartung abrücken wird. Statt auf das Wiener Modell zurückzugreifen, bei dem die Stadt ihre Vorkaufsrechte nutzt, um bezahlbare Mieten sicherzustellen, wird der Neubau bei uns weitgehend dem freien Markt überlassen. Dass es auch anders geht, das haben wir gerade bei einem geförderten Wohnbau in der Nähe von Aachen aufgezeigt, bei dem wir bezahlbaren Wohnraum im Passivhaus-Standard in Holzbau und mit seriellen Ansätzen geschaffen haben. Und die Leute können dort für sieben Euro wohnen. Das geht durchaus, wenn man es nur will!
BLACKPRINT: Eine weitere Frage: Ihr Büro raum für architektur ist Mitglied bei Green X Future Building Solutions. Kommt dieses Netzwerk an Baubeteiligten auch bei der Realisierung von seriellen Sanierungen ins Spiel?
Kay Künzel: Green X Future Building Solutions ist ein gewachsenes Netzwerk, ein Verbund nicht nur von Ingenieuren und Architekten, sondern auch von Materiallieferanten, von Produzenten, von Holzbauunternehmen, von Systemlieferanten. Es ist schon gute zwanzig Jahre her, dass sich diese Bewegung gegründet hat, ausgehend von der Motivation, energetisch, einfach und ökologisch viel nachhaltiger zu bauen. Und dieses Netzwerk existiert immer noch, ist mittlerweile aber deutlich gewachsen. Und es ist immer wieder schön zu sehen, wie groß diese Industriepartner und diese Architekturbüros geworden sind. Und dass man es heute mit echten Profis zu tun hat!
BLACKPRINT: Herr Künzel, wir bedanken uns für das Gespräch!
Das Interview führte Robert Uhde.