Es könnte deutlich einfacher sein mit dem Bauen in Deutschland. Ist es aber nicht. Und das liegt nicht nur an der stagnierenden Wirtschaft, sondern auch an den derzeit rund 3.000 geltenden DIN-Normen und Bauvorschriften: „Das Planen und Bauen ist gegenwärtig überfrachtet von Richtlinien, Normen und privatrechtlichen Anforderungen“, so schreibt entsprechend die Bundeskammerversammlung der Bundesarchitektenkammer in ihrer 2022 formulierten Erklärung für mehr Spielraum und Innovation beim Planen und Bauen. Verstärkt werde diese Entwicklung durch die aktuell steigenden Bau- und Bodenpreise sowie durch den aktuellen Material- und Fachkräftemangel. Im Ergebnis werde es damit deutlich erschwert, die Ziele der Bundesregierung zu erreichen: die Schaffung von jährlich 400.000 neuen Wohnungen, davon 100.000 im öffentlich geförderten Wohnungsbau.
Um trotz des bestehenden Dschungels an gesetzlichen Vorgaben die dringend notwendige Wende am Bau einzuleiten und mehr Bewegungsfreiheit für innovative planerische Konzepte zu ermöglichen, fordert die Bundeskammerversammlung in ihrer Erklärung, das Bauen in Deutschland durch die Einführung des neuen Gebäudetyps E deutlich zu vereinfachen. Das „E“ steht dabei für „Einfach Bauen“ oder für „Experimentelles Bauen“. Mit dem neuen Standard soll es möglich sein, „von der zwingenden Beachtung der sogenannten technischen Baubestimmungen dann absehen zu können, wenn Bauherr und Architekt oder Ingenieur dies ausdrücklich vereinbaren.“ Den originären Schutzzielen der Bauordnungen müsse dabei aber selbstverständlich entsprochen werden.